ich dachte, ich fülle mal das Sommerloch...
Nachdem ich vor ein paar Jahren mal einen SR-Motor mit JPX-Zylinder erstanden habe, ist um den Zylinder mittlerweile ein hübsches Motörchen entstanden.
Der SR-Motor hatte leider einen Transportschaden erlitten, ...war sowieso bereits nach "Führungsblechschaden" nebst Loch im Block geflickt und wurde deshalb zerlegt. Der Block wanderte in die Tonne...sowas gibt es bei mir selten...

Laut Vorbesitzer war der Motor frisch aufgebaut und wurde seither scheinbar nicht gefahren...was nicht der Wahrheit entsprach ...

Allerdings waren doch einige unerwartete Details im Motor zu finden, so eine Barnett-Kupplung, eine Hiha-Nocke nebst Hartblock-Kipphebel in sehr gutem Zustand und eine gute SR-Lima.
Die "dicke" SR-Kurbelwelle und die Lima wurden ins Regal verbannt, die Nockenwellenkombo kam in die Sammlung und hat dort gute Gesellschaft, der Rest der Innereien wurde für geeignet befunden.
Der Zylinder selbst, der ja der Grund für den Kauf des Trieblings war, ist eine Besonderheit. Aufgrund der Formgebung eindeutig als "JPX" aus Frankreich zu identifizieren, hat er jedoch nicht wie üblich eine Laufbuchse, sondern ist "aus einem Guss" und Nikasil-beschichtet. Der Zylinder wurde einst über Kedo auf 95 mm aufgebohrt, frisch beschichtet und mit dem "flachen" CP-Kolben bestückt...das war der mitgelieferten Dokumentation zu entnehmen.
Bei meiner Recherche bin ich nie auf einen JPX in dieser Ausführung gestoßen...

Nun war der Plan, einen alltagstauglichen Motor für meine "Brotundbutter-XT" um den Zylinder bauen, welcher auch mit Originalauspuff gut funktioniert.
Zylinder und Kolben waren trotz Ölkohle maßhaltig und brauchbar...viele Kilometer hatte der Motor nicht gesehen. Bei Kedo, mit ein paar "Ehrenrunden", neue Kolbenringe besorgt (...man kann auf die Distanz schon mal aneinander vorbei reden / schreiben...

Bei 600ccm griff ich nicht auf eine gut erhaltene Kurbelwelle aus dem Fundus zurück, sondern es wurde eine die nicht mehr so gut beieinander war, mit einem neuen Pleuelkit versehen.
Ein XT-Gehäuse aus dem Fundus, aufgespindelt und mit neuen Lagern versehen nahm schließlich die Innereien des gemeuchelten SR-Motors auf. Auf der Kupplungsseite habe ich der Kurbelwelle ein Zylinderrollenlager gegönnt und das Kickstarterzwischenrad wurde wie schon oft, nadelgelagert.
Für den Gaswechsel hatte ich eine MC251-40 nebst MC-Kipphebeln vorgesehen, welche dann praktischerweise auch direktemang aus USA importiert werden konnten, Christians (Hudriwudris) Vadder sei gedankt!
Ventile hatte ich noch aus einem "Stage5-Kit" von Schrick im Fundus (48/39). Zusammen mit dem Kopf nebst Deckel reisten die Ventile nach Genua zum Christian. Obwohl ich seine Meinung über die zu verwendende Nockenwelle respektiere, habe ich ihm die Bearbeitung des Kopfes zugemutet ... und er hat es getan!

Die Kanäle wurden gemäß dem Einsatztzweck und der Nocke nur leicht optimiert, der Brennraum mit schönen Quetschkanten versehen und die Kipphebellagerung ausgebuchst...ein Traum!

Zurück in Baden, wurde der Kopf komplettiert. Zunächst wollte ich die Kitfedern von Schrick verwenden, habe mich dann aber doch für ein anderes Päärchen, wahrscheinlich auch aus dem selben Hause, entschieden. Diese Federn hatte ich auch im Handlager, ...aus einem anderen Motor mal ausgebaut. Die Tops sind "geschüsselt" und die zugehörigen Keile auch dreirillig, passend auf die Ventile. Die Federkräfte wurden auf (430N / 1070N) eingestellt. Die Federn haben mehr Reserve, was den Federweg angeht, als die aus dem Kit. Die werden sicher mal ihren Platz in einem Motor mit umgeschliffener Welle à la G1, F1, Hiha oder so finden ...

Eingegraded wurde die "40er" schließlich auf ES 56° n. UT., da ich eine neue Steuerkette verbaut habe, ... da geht das von alleine noch auf spät.
Die Verdichtung konnte ich aufgrund des flachen Kolbens nur auf 10,5:1 anheben. Im Bereich der Quetschkanten musste der Kolbenboden des CP etwas bearbeitet werden. Die Quetschhöhe liegt bei 0,9 mm.
Wie es dann so ist, bei Projekten, die mehrere Jahre dauern (2020 - 2024), ändern sich die Randbedingungen ...
Letztes Jahr signalisierte mir der dankbare Motor meiner "Urlaubs-XT" während des Sommers, dass er auch mal wieder etwas Zuwendung erhalten möchte. Dies tat er wie es sich gehört, durch steigenden Ölverbrauch und weißblaue Rauchwölkchen, aber ohne den Dienst zu quittieren oder zu lärmen ...

Da der 570er der Alltagsmöhre den geringeren Ölverbrauch hatte, wurde dieser Wechsel erst einmal nach hinten gestellt und der "JPX-600er" in die Urlaubs-XT implantiert.
Hier wird der Motor von einer Powerdynamo-Zündung befeuert und durch einen aufgespindelten (34,5 mm) VM32 mit modifiziertem Schieber (Stichwort "Bronceschieber"...



Die Abgase entschwinden schließlich durch einen fetten Krümmer (ja, ich weiß, ... aber ich mag die einfach...

...und nun zum Ergebnis:
... das Grinsen zeichnete sich vom ersten Einfahr-km an auf mein Gesicht. Drehmoment satt, samtweiches aber direktes Ansprechen, Durchzug!!! Während des Einfahrens stellte sich sogar mal ein Verbrauch von 3,1 l/100km ein.
...und nun hat die Fuhre in dieser Konstellation ca. 3000km auf der Uhr und der Vergaser ist abgestimmt, ... also fast, da ist man ja nie richtig fertig. Es war im Vergleich zum 500er Vorgänger eine etwas fettere Abstimmung im Teillastbereich notwendig.
Die Begeisterung ist geblieben, ...der 5. Gang reicht auf der Straße für fast alle Situationen ... ein bisschen übertrieben, ok, ...aber von 60 bis 150km/h ist die Fuhre gut fahrbar im 5.
Den Topspeed habe ich noch nicht ermittelt, wozu auch, ...
Schön ist, dass ich nun sogar im Soziabetrieb beim Überholen selten runterschalten muss, ... es schiebt einfach.
Der Verbrauch ist nun auf 3,7 bis 4l gestiegen, aber was solls ...

...wer es nun bis hierhin geschafft hat mit Lesen, der ist begeisterungsfähig, zäh, leidensfähig oder zumindest geduldig!
Danke, an dieser Stelle an alle Helfershelfer, insbesondere Hudriwudri, der über seinen "40er-Schatten" gesprungen ist...

Herzliche Grüße
Mambu